Zentrum für Weiterbildung (ZWB)

Projekt DiLeA:E3 gestartet! Partizipative Forschung im Studium für Ältere

21.07.2026|10:19 Uhr

Projekt DiLeA:E3 gestartet! Partizipative Forschung im Studium für Ältere

Digitale Medien durchdringen heute nahezu alle Gesellschafts- und Lebensbereiche mit unterschiedlicher Diversifikation. Dies gilt insbesondere auch für hochschulische Lehr- und Lernkontexte, innerhalb derer die fortgesetzte Digitalisierung in Gestalt online-basierter Lernplattformen, digitaler Vorlesungsverzeichnisse oder einer Vielzahl an Blended Learning Formaten nachhaltig organisatorische Abläufe verändert und individuelle Teilhabe- bzw. Lernmöglichkeiten an entsprechende Medienkompetenzen koppelt. 

Der Umgang mit digitalen Medien auch unter dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bleibt heute nicht nur für grundständig Studierende weitgehend alternativlos, auch die Gruppe der Seniorstudierenden muss sich vermehrt medialen Herausforderungen stellen. Eine Gruppe, die aktuell mit steigender Tendenz Weiterbildungsangebote auch jenseits der beruflichen Weiterbildung wahrnimmt (Iller/Schmidt-Hertha 2020) und die mit Blick auf den demographischen Wandel auch für die Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Vor dem Hintergrund sich zunehmend verändernder Lernszenarien richtet die Studie DiLeA:E3 – Digitales Lernen im Alter: Erfahrungen. Einschätzungen. Erwartungen. ihren Blick auf vergangene, aktuelle und zukünftige Lernbedarfe von Seniorstudierenden und fragt danach, mit welchen medialen Herausforderungen sie sich heute konfrontiert sehen bzw. wie und mit welchen Medien sie zukünftig lernen möchten. 

Während traditionelle Mediennutzungsforschung bisher weitgehend quantitativ auf den Prozess der Medienzuwendung und damit insbesondere auf zeitliche Aspekte des Nutzungsumfangs gerichtet ist (Schweiger 2007), stellt DiLeA:E3 vor allem subjektive Bedeutungszuschreibungen der Mediennutzung in den Vordergrund. In Anlehnung an den medienbiographischen Ansatz der Altersmedienforschung (Vollbrecht 2009) wird hierbei unterstellt, dass Medien eine sehr unterschiedliche biographische Relevanz zugeschrieben werden muss. So wird in der Folge die Konzentration auf einzelne Medienbiografiestränge ermöglicht (Sander/Vollbrecht 1989), aus denen sich dann Muster der Mediennutzung und Medienaneignung sowie deren Veränderung nachzeichnen lassen. 

Die Grundkonzeption des Projektes orientiert sich an der Kernidee partizipativer Forschung, soziale Wirklichkeit partnerschaftlich zu erforschen, indem Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen aus der Konvergenz zweier Perspektiven (Wissenschaft und Praxis) entstehen (Bergold/Thomas 2012). Ziel ist es hierbei, die Gruppe von Personen, auf welche die Forschung ausgerichtet ist, aktiv in den Forschungsprozess miteinzubeziehen (Reisel/Hedderich 2016), um so im besten Falle einen Mehrwert für beide Seiten zu generieren. Für das Vorhaben wurden drei Seniorstudierende der BUW (Sabine Dörr, Christina Müller und Ulrich Brüne) als maßgeblicher Teil des Teams sowohl in die kollaborative Vorbereitung und Durchführung der Interviews als auch in deren Auswertung und Ergebnisdarstellung involviert. Methodisch greift die Studie auf leitfadengestützte narrative Interviews zurück, deren Auswertung sich basierend auf den Prinzipien und Gütekriterien qualitativer Sozialforschung an die Methodologie der Grounded Theory anlehnt (Strauss/Corbin 1996).

Die Studie erweitert aktuelle Forschungsbestrebungen zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf hochschulische Lernzusammenhänge um biographische Aspekte der Mediennutzung von älteren Studierenden, die in bisherigen Studien deutlich unterrepräsentiert bleiben (Oggolder/Roth-Ebner 2023). Es sollen erste Impulse geboten werden, auf welchen Ebenen sich zukünftig Änderungen von Lernbedarfen älterer Studierender ergeben und wie Angebote der Wissenschaftlichen Weiterbildung Älterer adäquat auf diese ausgerichtet werden können. 

 

Aktuell befindet sich das Projekt in der Auswertungsphase, erste Ergebnisse werden am 17. September 2026 unter Mitwirkung der beteiligten Seniorstudierenden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) „Zukunftslabor Weiterbildung: Neue Szenarien für Lifelong Learning“ an der Frankfurt University of Applied Sciences (>https://dgwf.net/jahrestagung-2026.html) vorgestellt. Veröffentlichungen in entsprechenden Fachzeitschriften sollen folgen.

Dr. Andre Kukuk/Franziska Reimann (ZWB)

Literatur:

Bergold, Jarg/Thomas, Stefan (2012): Partizipative Forschungsmethoden: Ein methodischer Ansatz in Bewegung. In: Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research, Vol. 13, No. 1, Verfügbar unter: nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1201302. [16.07.2026].

Iller, Carola/Schmidt-Hertha, Bernhard (2020): Weiterbildung im Alter: Beteiligung, Erwartungen und Erträge. In: Schmidt-Hertha, B./Haberzeth, E./Hillmert, S. (Hrsg.): Lebenslang lernen können. Gesellschaftliche Transformationen als Herausforderung für Bildung und Weiterbildung. Bielefeld: wbv Media GmbH, S. 45–66.

Oggolder, Christian/Roth-Ebner, Caroline (2023): Leben mit Medien. Medienbiografien von älteren Menschen. In: Medienimpulse. Beiträge zur Medienpädagogik. Jg. 61, Nr. 1, S. 1-34. Verfügbar unter: journals.univie.ac.at/index.php/mp/article/view/7610/7940 [26.03.2026].

Reisel, Monika/Egloff, Barbara/Hedderich, Ingeborg (2016): Partizipative Forschung. In I. Hedderich, G. Biewer, J. Hollenweger, & R. Markowetz (Hrsg.): Handbuch Inklusion und Sonderpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 636-645.

Sander, Uwe/Vollbrecht, Ralf (1989): Mediennutzung und Lebensgeschichte. Die biographische Methode in der Medienforschung. In: Baacke, Dieter (Hrsg.): Qualitative Medienforschung: Konzepte und Erprobungen. Tübingen: Niemeyer, S. 161–176.

Schweiger, Wolfgang (2007): Theorien der Mediennutzung. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Strauss, Anselm L./Corbin, Juliet (1996): Grounded Theory: Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.

Vollbrecht, Ralf (2009): Der medienbiographische Ansatz in der Altersmedienforschung. In: Schorb, Bernd/Hartung, Anja/Reißmann, Wolfgang (Hrsg.): Medien und höheres Lebensalter. Theorie – Forschung – Praxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 21–30.